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Die Präsidentin der EB Sachsen hat das VDA-Forum am 09.11.2015 eröffnet.

Die wesentlichen Passagen der Begrüßungsansprache finden Sie im folgenden abgedruckt:

Der Landesverband Sachsen des Vereins für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland hat im Landtag bereits öffentliche Foren durchgeführt, auf denen die Geschichte und Kultur von auslandsdeutschen Volksgruppen vorgestellt wurde. Einen besonderen Schwerpunkt bilden dabei die deutschen Minderheiten in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa. Das 25-jährige Jubiläum der friedlichen Revolution im östlichen Europa ist für Ihren Verein Anlass, sein diesjähriges Forum der jüngsten Geschichte der deutschen Minderheiten zu widmen. Ich freue mich daher ganz besonders, Sie heute im Plenarsaal des Sächsischen Landtags zu einer Veranstaltung begrüßen zu können, für die der Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler die Schirmherrschaft sehr gern übernommen hat.

Es liegt es in unserem ureigenen Interesse, im Rahmen dieses Forums noch mehr darüber zu erfahren, welchen Anteil die Deutschen an der Zeitenwende 1989/90 für sich in Anspruch nehmen können. Ebenso spannend ist für mich die Frage, welche Möglichkeiten ihnen die neuen politischen Rahmenbedingungen eröffnet haben. Insbesondere sollen die nach 1989 neu entstandenen kulturellen und politischen Vereinigungen vorgestellt und die Perspektiven der deutschen Minderheiten thematisiert werden. Damit erhalten wir die Möglichkeit, die Lebenswelten der deutschen Minderheiten in Ostmitteleuropa nach 1989 auch im Ländervergleich wahrzunehmen.

In seiner Gesamtheit war Ostmitteleuropa seit dem Mittelalter über viele Jahrhunderte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein von Deutschen, von ihrer Sprache und ihrer Kultur, maßgeblich geprägt. Diese Entwicklung hat mit den beiden Weltkriegen ihr Ende gefunden. Der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft über Europa folgte in Ostmitteleuropa das kommunistische Unrechtssystem. Das Kriegsende vor 70 Jahren und die Nachkriegszeit waren durch Flucht und Vertreibung von 15 Millionen Deutschen aus früheren deutschen Reichs- und Siedlungsgebieten geprägt. Auch die Zurückgebliebenen wurden allein aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit kollektiv bestraft und benachteiligt, teilweise umgesiedelt, zerstreut, deportiert, enteignet, politisch verfolgt und ihrer existenziellen Grundlagen beraubt. Sie durften ihre Muttersprache nicht öffentlich benutzen. Die Schicht der Akademiker und die Tradition der deutschsprachigen Schulen gingen verloren. In jedem Fall waren die freien Entfaltungsmöglichkeiten bis 1989 nur relativ und äußerst begrenzt. Im Verlauf der Demokratie- und Freiheitsbewegung von 1989 sind in Ostmitteleuropa starke Akzente gesetzt worden. Die Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze im August 1989 bleibt ein Symbol für den Fall des Eisernen Vorhangs und den Untergang der kommunistischen Gewaltherrschaft im gesamten ostmitteleuropäischen Raum.
Als einen ganz wichtigen Katalysator auf dem damals eingeschlagenen Weg bewerte ich den Prozess der europäischen Integration. Seit 2007 sind die meisten Deutschen aus Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union. Das betrifft auch Staaten, die nicht der EU angehören, weil nach 1990 auch aus den Nachfolgstaaten der Sowjetunion die Aussiedlung nach Deutschland möglich geworden ist. Die europäische Einheit wäre für die deutschen Minderheiten im Ausland allerdings nur dann ein positives Signal, wenn sie zur Stärkung der Selbstbestimmung und Identität beitragen würde. Dabei gehört ihnen unsere Unterstützung und Solidarität.

Wir sind heute in Deutschland und in Sachsen in der Lage, einen Beitrag dafür zu leisten, um den deutschen Minderheiten in Ostmitteleuropa eine Perspektive für die Zukunft zu geben. Sie haben deutsche Sprache und Kultur vor vielen Jahrhunderten in Ostmitteleuropa begründet und trotz aller Widerstände bis in die Gegenwart bewahrt. Sie sollten heute mit gemeinsamen Kräften und nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe in die Lage versetzt werden, um als Brückenbauer zwischen uns und unseren osteuropäischen Nachbarvölkern noch stärker als bisher wirksam zu sein. Hier hat der VDA seine wichtigste Aufgabe gefunden.

In diesem Sinne wünsche ich dem VDA-Forum 2015 ein erfolgreiches Gelingen und seinen Mitgliedern bei der Beförderung der deutschen Kultur als Teil der Kulturen der Welt weiterhin recht viel Erfolg.

Andrea Dombois

Neben Präsidentin Andrea Dombois (4. v. rechts) und dem VDA Sachsen-Vorsitzenden Peter Bien (2. v. lks.) waren Vereine von deutschen Minderheiten aus Tschechien, Polen, Ungarn und der Ukraine vertreten

Das VDA-Forum 2015

 

Die Entwicklung der deutschen Minderheiten

in den mittel- und osteuropäischen Staaten

seit der politischen Wende 1989/90“ fand statt am

 

Sonnabend, 7. November 2015,

von 14:00 bis 18:00 Uhr

im Sächsischen Landtag,

Bernhard-von-Lindenau-Platz 1, 01067 Dresden.

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