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Lesen Sie hier den Bericht der Reise des Präsidiums am 24./25.03.2014 nach Breslau von Mario Schmidt, Vizepräsident der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen:

Die Europäische Bewegung Sachsen (EB Sachsen) unterwegs in Breslau Mitglieder des Präsidiums der EB Sachsen besuchten am 24. und 25. März 2014 die Dresdner Partnerstadt Wroclaw/Breslau, um sich dort u. a. über die Arbeit des Verbindungsbüros des Freistaates Sachsen sowie über den Stand der Vorbereitung für die „Europäische Kulturhauptstadt 2016“ zu informieren.

Erste Station der Reise war das Verbindungsbüro des Freistaates Sachsen. Gelegen direkt am Rynek mit Blick auf das Rathaus, wurde dieses Büro im Mai 2012 durch Ministerpräsident Stanislaw Tillich feierlich eröffnet. Mit Andreas Grapatin, Leiter des Verbindungsbüros, sprachen wir über Aufgaben und erste Erfolge des Büros. „Das Verbindungsbüro soll helfen, im Sinne eines gemeinsamen Miteinanders die Gesellschaften der beteiligten Länder zusammenzubringen.“, umschreibt Andreas Grapatin das zentrale Anliegen und den Kern seiner Arbeit. In seiner Arbeit wird er durch eine Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH unterstützt.

Weiter ging es zum „Europa-Haus“ in der ul. Widok, welches die offiziellen Vertretungen der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlamentes in Polen beherbergt. Wir wurden empfangen durch Lukasz Kempara, Direktor des Informationsbüros des Europäischen Parlamentes. In dem ca. einstündigen Gespräch standen die bevorstehenden Europawahlen im Fokus. „Die Polen in Niederschlesien finden die EU gut. Sie fühlen sich jedoch zu wenig informiert“, so Lukasz Kempara. Das Büro versucht, mit einem breit gefächerten Angebot aus Informationsmaterial, Workshops und Veranstaltungen, diesem Informationsdefizit zu begegnen. Besonders erfreulich ist, dass inzwischen nahezu jede Schule in Breslau das Europa-Haus besucht, um dort speziellen Europa-Unterricht zu erhalten.

Im Anschluss ging es zurück ins Verbindungsbüro, wo bereits Renate Zajaczkowska und Malgorzata Chilkiewicz, Vorsitzende und Geschäftsführerin der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft, auf uns warteten. Die Gesellschaft ist Interessenvertretung der deutschen Minderheit in Polen. Sie hat heute mehr als 1.000 Mitglieder und wird durch das Auswärtige Amt unterstützt. Hauptziel der Gesellschaft ist die Pflege und Bewahrung des kulturellen (deutschen) Erbes in der Region und die Förderung der deutschen Minderheit. Hierzu gehören Tätigkeiten wir Sprachkurse und Vorträge, Projektarbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie eigenes kulturelles Wirken.

Der Abend klang bei altpolnischer Küche im Restaurant Lwówska in gemütlicher Runde aus.

Am zweiten Tag der Reise stand zunächst ein Gespräch mit Jan Wais, stv. Direktor für Internationale Beziehungen in der Stadtverwaltung Breslau, zum Thema „Kulturhauptstadt 2016“ auf dem Programm. Jan Wais ist in der Stadtverwaltung auch Beauftragter für das Projekt Kulturhauptstadt, jedoch wird die praktische Arbeit der Vorbereitungen durch ein eigens dafür gegründetes Projektbüro (Biuro Festiwalowe IMPART 2016) unter Leitung von Krzysztof Maj erledigt. Jan Wais erläuterte die Ziele der Stadt Breslau im Zusammenhang mit der Kulturhauptstadt: Verdopplung der Touristenanzahl auf 6 Mio. Besucher im Jahr 2016 sowie Verdopplung der Kulturaktivität der Breslauer auf 16 %. Bereits Ende 2015 soll das Nationale Musikforum eröffnet werden. Projektangebote für die Kulturhauptstadt werden – sofern diese aus Dresden kommen – derzeit im Büro der OB (Abt. Internationales) bei Frau Schoger gesammelt. Diese prüft auch die Vollständigkeit der Unterlagen vor und reicht dann die Angebote an IMPART weiter. Die Stadt Breslau wünscht sich jedoch eine zentrale Koordinierung aller Beiträge und Projekte aus Sachsen und Deutschland an einer Stelle, Herr Wais schlägt dazu konkret das Verbindungsbüro vor.

Am Nachmittag besuchten wir das Wojewodschaftsamt, wo wir mit Barbara Zdrojewska (Vorsitzende des Sejmik) sowie weiteren Abgeordneten des Sejmik, zusammentrafen. Frau Zdrojewska erläuterte uns zunächst kurz Aufbau und Arbeitsweise der Regionalversammlung: 36 direkt gewählte Abgeordnete aus allen Teilen der Wojewodschaft arbeiten in zehn Fachkommissionen zusammen und wählen aus dem Kreis der Abgeordneten einen Vorstand. Auch die Wahl des Marschalls ist Aufgabe des Sejmik.
Ein Schwerpunkt im Gespräch war die Umstrukturierung der Landwirtschaft in Niederschlesien. Hier sind Ansätze für eine Zusammenarbeit von Sachsen und Niederschlesien vorhanden, da auch Polen unter der „Landflucht“ leidet. Niederschlesien hat dazu ganz gezielt Förderprogramme aufgelegt, mit denen Erben von Bauernhöfen bei der Modernisierung der Höfe unterstützt werden, damit diese den geerbten Hof auch weiterführen.
Frau Abgeordnete Ewa Rzewuska bedankte sich ausdrücklich für die letztlich doch noch gezeigte Bereitschaft der deutschen Seite, das Dresdner Kraszewski-Museum zu erhalten. Dies sei „Ausdruck des Willens auf beiden Seiten für eine weitere enge Zusammenarbeit“, so Ewa Rzewuska.
Beim weiteren Ausbau des Hochwasserschutzes sieht Frau Zdrojewksa noch Potenzial für eine engere Zusammenarbeit.
Einen starken Fokus legt die Wojewodschaft auf die Wirtschaftsansiedlung und auf den Tourismus. Im Tourismusbereich haben Denkmalpflege und Kultur einen hohen Anteil an der Mittelverwendung. Die meisten Denkmäler in Polen befinden sich in der Wojewodschaft Niederschlesien. Der Erhalt und die Sanierung dieser Objekte dient auch der Tourismusförderung. Auch in anderen Bereichen der Tourismusinfrastruktur erfolgen hohe Investitionen. So hat die Wojewodschaft die Verwaltung von drei Kurbädern übernommen, hier sind ca. 100 Mio. Zloty Investitionen geplant. Zielgruppe sind insbesondere Kurgäste aus Deutschland. Frau Zdrojewska regte die Wiederaufnahme regelmäßiger Treffen der Fachausschüsse beider Seiten an. Der mindestens jährliche Austausch sollte zur Normalität werden, so die Vorsitzende. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der Wille zu einer noch engeren Zusammenarbeit mit der deutschen Seite bei allen Gesprächen betont wurde.
Das Projekt „Europäische Kulturhauptstadt 2016“ ist eine große Herausforderung für Breslau. Jedoch bietet es die Chance auch für Sachsen/Deutschland als Kulturland zu werben, indem sich die deutsche Seite entsprechend beteiligt und das Projekt unterstützt.

An der Reise nahmen teil:
Andrea Dombois, Präsidentin der EB Sachsen und 1. Vizepräsidentin des Sächsischen Landtages
Benedikt Dyrlich, Vizepräsident der EB Sachsen
Michael Bechter, Vizepräsident der EB Sachsen
Dr. Peter Harbauer, Mitglied des Präsidiums der EB Sachsen
Christian Dietz, Mitglied des Präsidiums der EB Sachsen
Dr. Maxim Asjoma
Mario Schmidt, Vizepräsident der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen e. V.

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